" LES MUSICALES "
Kammermusikfestival von Colmar
« Musik Ohne Grenze »
Künstlerische Leitung : Marc Coppey
Vom 20.bis zum 24. Mai 2008 Colmar - Théâtre Municipal
EDITO
Wenn es je eine Grenze gab, die zwei scheinbar unvereinbare Welten trennte, so ist es diejenige des Rheins. Dabei hat der Titel dieser neuen Ausgabe der Colmarer Musicales nichts Provozierendes. Denn es wäre ein Irrtum, die Geschichte der deutsch-französischen Beziehungen auf Krieg und Konfrontation zu begrenzen, wenn man die intellektuellen und künstlerischen Austausche betrachtet, die Jahrhunderte gemeinsamer Geschichte geprägt haben. Deutschland und Frankreich: zwei Spiegelbilder, die die jeweiligen Identitäten auf beiden Ufern des Grenzflusses gestaltet haben.
Das Elsass, das eine so offenbar tragische Geschichte symbolisiert, verbindet auch zwei Länder, die untrennbar scheinen. So wie die Strömung des Rheins lange vom Zufall abhing, verkörpert das Elsass die Durchlässigkeit, die jede Grenzgegend zu eigen hat.
Über die Worte hinaus scheint die Musik ein bevorzugtes Mittel zu sein, eine stürmische Geschichte zu durchlaufen. Je nach der Epoche, dem politischen und wirtschaftlichen Kontext, spiegelt die Musikgeschichte auf ihre eigene, reiche und gegensätzliche, so schwer zu interpretierende Art, die Geschichte schlechthin.
Unsere Reise beginnt in einer Epoche, wo Deutschland – im Gegensatz zu Frankreich – noch keine Nation war. Bach, das universelle Symbol der Musik, ist auch ein Musiker, der sich von allen Musiken Europas nährt. Er kennt die Kompositionen von Couperin, Rameau oder Grigny und schreibt nach "französischem Geschmack". Wir werden ihm Couperin beigesellen. Trio-Sonaten, königliche Konzerte: durch sie behauptet sich die Kammermusik.
Hierbei kann man nicht umhin, Mozart zu erwähnen. Als Kind war er glücklich während seiner ersten Reise nach Paris, als er den Hof entzückte; sein zweiter Aufenthalt scheiterte. Im Jahre 1778 stirbt seine Mutter in der französischen Hauptstadt. Eine seiner berühmtesten Sonaten für Geige und Klavier ist ein Zeugnis dieser Periode, die ihn verbittern wird. Mozart ist aber auch der Komponist von Cosi fan tutte und Figaros Hochzeit, die von der Aufklärung und dem Ruf nach Freiheit geprägt sind, der damals in Frankreich und Europa ertönte. Als erster von der Vormundschaft des Adels befreiter Musiker eröffnet er eine neue Epoche für die Komponisten und die Künstler im allgemeinen.
Wenn Friedrich der Große, der Preußenkönig, Voltaire empfängt, so werden die Franzosen auch am Hof seines Nachfolgers, Friedrich Wilhelm II. (Cellist), aufgenommen, wo man der Musik huldigt. Demzufolge begegnet der Cellist Duport Beethoven, dessen zwei erste Sonaten für Cello und Klavier dieser Begegnung zu verdanken sind. Im Herzen dieser musikalischen Reise befindet sich Beethoven, dessen Gedankenwelt eng mit dem revolutionären Geist verflochten ist. Er überträgt das Gedankengut der Aufklärung in die Welt der Musik. Er auch, als Visionär, wird seine Widmung an Bonaparte zurücknehmen, als dieser sich Napoleon nannte. In seinen Memoiren berichtet Berlioz vom revolutionären Charakter Beethovens Musik und von den Mühen der französischen Meister, mit ihr umzugehen. Sein Einfluß jedoch war ausschlaggebend in Frankreich wie auch in Deutschland. In Deutschland schlägt das Herz der romantischen Kammermusik, mit Mendelssohn, Schumann und dann Brahms, während Frankreich vor allem die Oper feiert, mit seinen eigenen Komponisten, und Offenbach als Gast. Berlioz ist ein Mittler, genau wie Liszt, aber viele große Komponisten ignorieren einander oder wirken gegeneinander.
Erst am Ende des 19. Jahrhunderts behaupten sich französische Komponisten mit einer eigenartigen musikalischen Sprache. Manchmal beziehen sie sich auf deutsche Komponisten, wie Fauré, der sein einziges Streichquartett am Abend seines Lebens komponierte, an Beethoven denkend, obwohl ihre Welten einander fremd waren. Während die meisten europäischen Komponisten Werke schaffen, die von der nationalen Behauptung, der Rückkehr zur Folklore oder den grundlegenden Mythologien geprägt sind, muß Frankreich andere Mittel finden, um seine Musik zu erneuern, weil es wegen der Revolution keinen Zugang mehr zu seiner Folklore hat. Manche, wie Franck oder Chausson, werden vom überwältigenden Einfluß Wagners geprägt werden, dessen zweite Version von Tannhäuser 1862 in Paris uraufgeführt wird. Debussy bewunderte ihn, um sich dann vom "alten Giftmischer" zu entfernen, sich der Kunst von Fernost und Spanien zuwendend… Symbolisiert der Nachmittag eines Fauns die Öffnung nach einer neuen harmonischen und klangvollen Welt, so erinnert uns die Chromatik des Anfangsthemas an den Komponisten des Parsifal.
Während Nietzsche Gefallen an Bizet hat und es notwendig findet, "die Musik zu mediterranisieren", sind Debussy und Ravel die Herolden einer der fruchtbarsten Bewegungen der französischen Musik, die man nur mit Mühe mit einer bestehenden Strömung in Verbindung bringen kann, weil ihre schöpferische Freiheit sich dem widersetzt.
Die Musik von Claude de France – Debussys Name zu seinen Lebzeiten – entbehrte jedoch nicht einem gewissen Maß an nationaler Forderung: 1915 singt er die Weihnacht der obdachlosen Kinder, als Widerhall auf Brahms Triumphlied , das den Sieg von 1870 feierte…
Die Musik entkommt nicht der Geschichte. Die Tragödie dreier Konflikte, die über siebzig Jahre hinweg Frankreich, Deutschland, die Welt verwüsteten, findet auch ihre Entsprechung in der Musik.
Nach dem Krieg schlagen Boulez und Stockhausen eine neue Seite auf, der politischen Annäherung entsprechend. Traute man sich heutzutage, die Musik von Berlioz, Schumann, Debussy, Wagner, Brahms und Fauré auf nationalistische Betrachtungen herabzustufen? Mit den Jahren wird das französische Repertoire oft eifriger von den deutschen Interpreten "verteidigt", und seit einigen Jahrzehnten werden Brahms oder Mahler in Frankreich mit viel Leidenschaft programmiert. Und wenn man sich heute weniger der Wichtigkeit der deutsch-französischen Beziehung bewußt ist, so heißt das nicht, daß sie an Bedeutung verloren hat. Die Komponisten und Interpreten wissen das, die stets das beträchtliche musikalische Erbe beider Ufer des Rheins befragen und beleben und die gemeinsame Geschichte fortsetzen, indem sie eine glückliche Zukunft errichten wollen. Das Publikum hat sich seit langem die Musik der großen Komponisten zu eigen gemacht. Sie drücken die Seele der Völker aus, aber sie verstehen es vor allem, sich an jeden von uns zu wenden.
Wir freuen uns, eine außergewöhnliche Versammlung großer Musiker in Colmar zu empfangen. Publikum und Künstler treffen aufeinander ohne jede Schranke, von Großzügigkeit und dem Wunsch nach Begegnungen beseelt, um ihre gemeinsame Leidenschaft für die Musik zu teilen: die bekannte (der Karneval der Tiere von Saint-Saëns) und die zu entdeckende (Die Uraufführung des Trios von Marc Monnet). Die Konzerte werden mit festlichen Momenten ausklingen, die allen es ermöglichen werden, je nach Wunsch neue Bande zu knüpfen.

23 international bekannte Kammersolisten, ein Streichquartett und ein Vokalensemble
Klavier Peter Laul, Bertrand Chamayou, Finghin Collins
Geige Tedi Papavrami, Ilya Gringolts, Valeriy Sokolov
Bratsche Nathan Braude, Diemut Poppen
Cello Marc Coppey, Christian Poltera
Kontrabass Niek de Groot Cembalo Aline Zylberajch
Flöte Philippe Bernold
Oboe Sébastien Giot
Klarinette Chen Halevi, Jean-François Philipp
Fagott Laurent Lefèvre
Horn Sébastien Lentz, Guido Corti
Schlagzeug Kaisa Pousset
Harfe Pauline Haas
Streichquartett Quatuor Ebene
Sopran Mireille Delunsch
Sprecher Jean Lorrain
Weltpremiere
Freitag, 22 . MAI
20:30
Monnet - Weltpremiere, ein Auftrag der Musicales:
Zweites Trio mit Klavier: Ilya Gringolts (Geige), Marc Coppey,(Cello),Peter Laul (Klavier)
22 um deutsche und französische Musik versammelte Komponisten
Bach, Couperin, Beethoven, Debussy, Wagner, Mozart, Chausson, Ravel, Monnet, Mendelssohn, Boulez, Brahms, Stockhausen, Franck, Schumann, Honneger, Saint-Saëns, Offenbach, Ysaye, Fauré, Schubert, Poulenc.
PRAKTISCHE INFORMATIONEN
ORT : Théâtre Municipal - 3 rue des Unterlinden, 68000 Colmar
AUSKUNFT : ww.les-musicales.com
RESERVIERUNG: Tel : 00 33 3 89 20 29 02 - www.fnac.com – Am Schalter des Theaters
PREIS : von 5 bis 30 € je Konzert- 100 Gratikartens je Konzert für Minderjährige
PRESSEKONTAKT / LES MUSICALES
Mélanie Levyckyj
Chloé Livernaux
Théâtre Municipal - 3, rue des Unterlinden - 68000 Colmar. Tél/Fax : 00 33 3 89 41 71 43 -lesmusicales@wanadoo.fr
PROGRAMM
Mittwoch, 20. Mai
20.30
BACH Sonate in G-Dur BWV 1038
(Philippe Bernold, Ilya Gringolts, Christian Poltera, Aline Zylberajch)
COUPERIN Königliches Konzert n°4
(Aline Zylberajch, Tedi Papavrami, Philippe Bernold, Marc Coppey, Laurent Lefèvre)
BEETHOVEN Trio in G-Dur Opus 9 n°1
(Valeriy Sokolov, Nathan Braude, Marc Coppey)
DEBUSSY-SACHS Der Nachmittag eines Fauns (Arrangement A.Schönberg)
(Philippe Bernold, Sébastien Giot, Jean-François Philipp, Finghin Collins, Peter Laul, KaisaPousset, Tedi Papavrami, Ilya Gringolts, Diemut Poppen, Christian Poltera, Niek De Groot)
WAGNER Siegfried Idyll
(Philippe Bernold, Sébastien Giot, Chen Halevi, Jean-François Philipp, Laurent Lefèvre, Guido Corti, Sébastien Lentz, Ilya Gringolts, Valeriy Sokolov, Nathan Braude, Marc Coppey, Niek De Groot)
Donnerstag, 21. Mai
17.30
FRANCK Sonate für Geige und Klavier in A-Dur
(Tedi Papavrami, Peter Laul)
DEBUSSY Sonate n°2 in F-Dur
(Philippe Bernold, Diemut Poppen, Pauline Haas)
SCHUMANN Andante und Variationen für 2 Klaviere, 2 Celli und Horn Opus 46
(Finghin Collins, Peter Laul, Guido Corti, Marc Coppey, Christian Poltera)
Donnerstag, 21 Mai
20.30
HONEGGER Sonatine für Geige und Cello
(Tedi Papavrami, Christian Poltera)
MOZART Quintett in Es-Dur K.452
(Finghin Collins, Sébastien Giot, Chen Halevi, Guido Corti, Laurent Lefèvre)
SAINT-SAËNS Karneval der Tiere
(Valeriy Sokolov, Ilya Gringolts, Nathan Braude, Marc Coppey, Niek De Groot, Philippe Bernold, Chen Halevi, Kaisa Pousset, Finghin Collins, Bertrand Chamayou, Jean Lorrain)
Freitag, 22.Mai
17.30
MOZART Sonate in e-Moll K.304
(1778 in Paris komponiert) (Ilya Gringolts, Peter Laul)
CHAUSSON Konzert für Klavier, Geige und Streichquartett in D-Dur Opus 21
(Valeriy Sokolov, Finghin Collins, Quartett Ebène)
Freitag, 22.Mai
20.30
RAVEL Madegassische Chansons Opus 78 nach Gedichten von Evariste Parny
(Mireille Delunsch, Philippe Bernold, Marc Coppey, Bertrand Chamayou)
MONNET 2.Trio mit Klavier, Uraufführung, im Auftrag von Mécénat Musical Société Générale
(Ilya Gringolts, Marc Coppey, Peter Laul)
WAGNER Wesendonck Lieder
(Mireille Delunsch, Peter Laul)
BEETHOVEN Quartett n°12 in Es-Dur opus 127
(Quartett Ebène)
Samstag, 23.Mai
17.30
OFFENBACH Duo für 2 Celli, dritte Suite in C-Dur Opus 53
(Christian Poltera, Marc Coppey)
DEBUSSY Rhapsodie für Klarinette und Klavier
(Chen Halevi, Finghin Collins)
YSAYE Sonate für Geige allein n°1 in F-Dur
(Ilya Gringolts)
FAURÉ Quartett n°1 für Klavier und Streicher in C-Moll Opus 15
(Valeriy Sokolov, Diemut Poppen, Christian Poltera, Bertrand Chamayou)
Samstag, 23.Mai
20.30
MENDELSSOHN 3 Motetten Opus 23
(Maîtrise de Paris unter der Leitung von Patrick Marco, Christine Lajarrige)
MENDELSSOHN Romanze ohne Worte für Cello und Klavier
(Christian Poltera, Bertrand Chamayou)
SCHUBERT Coronach D 836 Der 23. Psalm "Gott ist mein Hirt" Ständchen "Zögernd leise" D 921
(Maîtrise de Paris unter der Leitung von Patrick Marco, Christine Lajarrige)
BRAHMS Ave Maria Opus 12 Der 13. Psalm Opus 12
(Maîtrise de Paris unter der Leitung von Patrick Marco, Christine Lajarrige)
BRAHMS 4 Gesänge für Frauenchor, 2 Hörner und Harfe
(Maîtrise de Paris unter der Leitung von Patrick Marco, Christine Lajarrige, Guido Corti, Sébastien Lentz, Pauline Haas)
POULENC Sonate für Flöte und Klavier
(Philippe Bernold, Finghin Collins)
POULENC Petites Voix
DEBUSSY Salut Printemps Weihnacht für obdachlose Kinder
(Maîtrise de Paris unter der Leitung von Patrick Marco, Christine Lajarrige)
Sonntag, 24.Mai
11 Uhr
MENDELSSOHN Sonate in Es-Dur
(Chen Halevi, Bertrand Chamayou)
BEETHOVEN Sonate n°2 in g-Moll Opus 5 n°2
(Marc Coppey, Peter Laul)
RAVEL Quartett in F-Dur
(Quartett Ebène)
Sonntag, 24.Mai
15 Uhr
BOULEZ Domaines
(Chen Halevi)
BRAHMS Quartett n°2 in A-Dur Opus 26
(Tedi Papavrami, Diemut Poppen, Marc Coppey, Peter Laul)
STOCKHAUSEN Klavierstück V
(Bertrand Chamayou)
FRANCK Quintett für Klavier und Streicher in f-Moll
(Bertrand Chamayou, Quartett Ebène)
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